Volltonwandfarben selbst herstellen

Bei volltönigen Wandfarben ist der Bedarf hinsichtlich individueller Farbgebung kaum zu abzudecken. Oftmals werden auch nur kleine Mengen benötigt, deren nach Kundenwunsch maßgeschneiderte Zubereitung den Preisrahmen sprengen würde.

Dieses Merkblatt ist an all jene unserer Kunden gerichtet, denen die Farbauswahl unserer volltönigen Lehmfarben und Lehmstreichputze nicht ausreicht bzw. die Ihre eigene Kreativität ausleben möchten. Es beschreibt die einfache Rezeptierung von sehr guten farbigen Wandfarben für alle Selbermacher.

 

Benötigt werden nur die folgenden wenigen Dinge:

Rohstoffe

Werkzeug 

  • Küchenwaage
  • Löffel, kleine Schaufeln
  • Mischgerät ( Küchenmixer oder Bohrmaschine + Quirl )

Grundsätzliches

Es können zwar schon allein aus den zwei Bestandteilen Pigment und Bindemittel deckende Farben hergestellt werden. Jedoch sehen diese einfachsten Farben nach Trocknung an der Wand oft wolkig und irgendwie schmuddelig aus. Die nachfolgenden Rezepturen enthalten deshalb immer einen gewissen Anteil Kreide. Im angegebenen Mischungsverhältnis hat die Kreide kaum einen Einfluss auf die Brillanz der Pigmente, jedoch bewirkt sie, dass die Farben nach Trocknung homogener / gleichmäßiger erscheinen.

Natürlich kann bei den Rezepturen auch das Verhältnis von Pigment zu Kreide beliebig geändert werden und statt nur einem auch mehrere Pigmente miteinander gemischt werden. So kann eine riesige Bandbreite verschiedener Farbtöne von volltönig (wenig Kreide) bis hin zu zart pastellig (viel Kreide) auf einfache Weise selbst erzeugt werden.

 

Wassermengen

Die in den Rezepten angegebenen Wassermengen stellen nur das Anrührverhältnis dar. Verschiedene Pigmente haben unterschiedlichen Wasserbedarf um eine gut verstreichbare Farbe zu ergeben. Nach Ende der Quellzeit und Schlankrühren sind die Farben noch weiter mit Wasser zu verdünnen, so dass sich eine Streichkonsistenz ergibt, die gleichmäßiges und ansatzfreies Arbeiten ermöglicht. Genauer kann man es leider nicht sagen, es lässt sich aber leicht selbst herausfinden.

 

Bindemittelbedarf

Die Bindemittelmengen in den nachfolgenden Rezepturen können nur als Bandbreite angeben werden. Leider haben die verschiedenen Pigmente teils stark unterschiedlichen Bindemittelbedarf. Grundsätzlich sollen Pigmente mit nur gerade so viel Bindemittel gebunden werde, dass die Farbe nicht abkreidet und gerade so wenig, dass die Farbe nicht über zu hohe Trocknungsspannung reißt oder abplatzt.

Im Groben und Ganzen können wir sagen, dass Erdpigmente eher mit der geringsten angegebenen Menge Bindemittel fest gebunden werden, die Ultramarine und Eisenoxide

dagegen mit der höchsten Menge Bindemittel zurechtkommen. Die Spinellpigmente sind im Mittenbereich einzuordnen.

 

Tipp: 

  1. Halte zusätzlich zu der zu verarbeitenden Farbe in einem separaten Topf eine kleinere Menge mit wenig Wasser zu einem dicken Leim angerührtes Bindemittel ohne Pigmente bereit.
  2. Streiche die Farbe auf ein Stück saugfähigen Paketkarton und föhnen diese nach kurzem Anziehen trocken.
  3. Reibe mit dem Finger oder weichem Tuch über die Farboberfläche. Wenn die Farbe nicht oder nur wenig abfärbt ist sie ausreichend gebunden und kann am Objekt verarbeitet werden.
  4. Wenn die Farbe stärker abkreidet gebe eine kleine Menge des Bindemittelleimes aus Punkt 1 dazu und streichen wieder auf den Pappkarton. Dies so lange wiederholen bis die Farbe ausreichend fest ist.

Materialbedarf / Reichweite

Pro Anstrich und pro m² werden etwa 150 g Pulver (Pigmente/ Kreide) benötigt. Die unter den Rezepturen gezeigten Mengen von jeweils knapp über 1 kg reichen damit etwa für 8 m² Wandfläche in einem Anstrich.

 

Zubereitung

Die pulverigen Rohstoffe sollen zunächst nur trocken miteinander gemischt werden. Anschließend die Pulvermischung unter schnellem Rühren in das Wasser geben und solange weiterrühren, bis alle Klümpchen aufgelöst sind. Mind. 1 Stunde quellen lassen und anschließend nocheinmal kräftig durchrühren.

Per Probeauftrag die Geschmeidigkeit prüfen und ggf. mit Wasser weiter verdünnen. Die Farben sollen dünn auftragbar und leicht, geschmeidig und ansatzfrei verstreichbar sein.

 

Untergrundvorbereitung

Der Untergrund muss tragfähig, saugfähig, staubfrei, sauber, trocken, fest, fettfrei und frei von durchschlagenden und färbenden Inhaltstoffen sein. Alte Leimfarbenanstriche und andere kreidende, bzw. nicht tragfähige Altanstriche gründlich abwaschen. Lose Altanstriche entfernen. Tapetenleimreste gründlich vom Untergrund abwaschen. Sandende Untergründe gründlich abfegen. Bindemittelanreicherungen und Sinterhaut an Putzoberflächen entfernen. Schalölreste auf Beton entfernen. Lose sitzende Putz-, Mauerteile entfernen und mit artgleichem Material ausbessern. Durchschlagende und färbende Inhaltsstoffe im Untergrund mit Schellack Isoliergrund (Art. 234) absperren. Schimmelbefallene mineralische Untergründe mit Sodalauge (Art. 993) säubern.

 

Grundierung

Alle unbehandelten saugenden Untergründe (alle Putze, Gipskarton, Gipsfaser) müssen mit Kaseingrundierung (Art. 145) vorgestrichen werden. Verarbeitung Streichen, rollen oder spritzen (Airless). Verarbeitungstemperatur mind. 8 °C.



Renovierung

Die in den Rezepten beschriebenen Farben dürfen nur mit gleichartigen Rezepturen oder mit methylcellulose-gebundenen Leimfarben über strichen werden.

 

Temperafarben

Durch Zugabe von trocknenden Ölen wie Leinölfirnis oder Sonnenblumenöl können Temperafarben hergestellt werden. Die Öle bewirken mit steigendem Gehalt eine bessere Wasserfestigkeit und eine Intensivierung des Pigmentfarbtones. Empfohlene Mengen: 50 - 300 ml Öl je 1 kg Farbpulver. Das Öl wird erst nach fertiger Quellung der Farbe unter sehr kräftigem Rühren unter die Farbe gemischt.

 

Konservierung / Lagerung

Kühl gelagert, sind die angerührten Farben einige Tage haltbar. Mit 1-2 % Teebaumöl versetzt und kühl gelagert halten sich die Farben mehrere Wochen. Zur Lagerung Plastikfolie auf die Farboberfläche decken, so bildet sich keine Kruste. Die Farben können auch eingefroren und noch 1 x aufgetaut und wieder verwendet werden. Faulig riechende Farbe darf nicht mehr verarbeitet werden.

 

Reinigung der Werkzeuge

Sofort nach Gebrauch mit Wasser oder warmer Seifenlauge (Marseiller Seife, Art. 220) reinigen.

 

Entsorgung von Produktresten

Produktreste nicht in das Abwasser geben. Farbreste können im eingetrockneten Zustand dem Hausmüll beigegeben werden. Restentleerte Verpackungen in die Wertstoffsammlung geben.

 

Hinweise / Sicherheitshinweise

Auch Farben aus natürlichen Rohstoffen für Kinder unerreichbar lagern. Nach Augen- bzw. Hautkontakt mit Wasser abwaschen. Mögliche Naturstoffallergien beachten.

Rezept mit Bindemittel Farbenleim

Dieses Rezept beschreibt die Herstellung einer Leimfarbe. Ideal geeignet auch als Fingerfarbe für Kinder. Leimfarben bieten die bestmögliche Gleichmäßigkeit des Erscheinungsbildes auch bei starken Tönungen. Die beste Streichkonsistenz ergibt sich wenn die angerührte Farbe über Nacht abgedeckt stehen gelassen wird.

Rezept mit Wandlasur Bindemittel

Dieses Rezept beschreibt die Herstellung einer Farbe, die die Festigkeit einer Kaseinfarbe mit der Geschmeidigkeit einer Leimfarbe verbindet.

Die beschriebenen Angaben wurden nach dem neuesten Stand der uns vorliegenden Erfahrungen festgestellt. Wegen der Verarbeitungsmethoden und Umwelteinflüsse sowie der verschiedenartigen Beschaffenheit der Untergründe, muss eine Verbindlichkeit für die allgemeine Rechtsgültigkeit der einzelnen Empfehlungen ausgeschlossen werden. Vor der Anwendung ist das Produkt vom Verarbeiter auf Eignung für den Anwendungszweck zu prüfen (Probeanstrich).


Bei Neuauflage oder Produktveränderung verlieren die Texte ihre Gültigkeit. Die jeweils neuesten Produktinformationen erhälst Du bei Kreidezeit direkt oder bei uns.

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